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In ihrer Anwendung als Psychotherapie beinhaltet Psychoanalyse die Diagnose und Behandlung von Krankheiten und Störungen, denen unbewusste seelische Konflikte, psychische Entwicklungsdefizite, traumatische Erfahrungen und frühe pathogene Beziehungsmuster zugrunde liegen. Ängste, Depressionen und Zwänge in ihren verschiedenen Ausprägungsformen, Störungen der Beziehungs-, Genuß- und Arbeitsfähigkeit, Störungen im Selbsterleben und im Realitätsbezug sowie körperliche Beschwerden, die seelisch bedingt oder mitbedingt sind, gehören zu den Indikationen psychoanalytischer Therapie. Die Psychoanalyse bedient sich in Diagnostik und Therapie ihres spezifisch
methodischen Verfahrens der freien Assoziation und der Traumdeutung. Auf
dem Boden der Therapeut-Patient-Beziehung werden Beziehungsmuster sichtbar
und verstehbar, die von früheren Erfahrungen mitgeprägt sind
und so auf ihre bewussten und unbewussten, emotionalen und kognitiven
Anteile hin untersucht und bewußt gemacht werden können. Für
diesen langen Prozeß der Einsicht und Veränderung sind die
Rahmenbedingungen, das sogenannte Setting, vor allem die regelmäßigen,
verbindlichen Termine in u. U. hoher wöchentlicher Frequenz wichtig.
Die Abstinenz und Neutralität des Psychoanalytikers gibt dem Patienten
Raum für seine freien Einfälle, seine Phantasien und für
seine spezifische Gestaltung der therapeutischen Situation, in der die
unbewußt gewordenen, verborgenen Gefühle, Haltungen und Erfahrungen
aus früheren Erlebnisschichten sichtbar werden. Auf diese Weise werden
dynamische Prozesse in Gang gesetzt, die mithilfe von Deutungen zu Erinnerungen,
Einsichten und Veränderung führen können. Die Lebensgeschichte
des Patienten wird dabei als Entstehungsgeschichte für seine Gegenwart
begreifbar. Persönlichkeitsanteile, die durch die Krankheit fixiert
oder abgespalten worden waren, können aufgefunden werden, in der
eigenen Geschichte ihren sinnvollen Zusammenhang erhalten und in der Gegenwart
verändert werden. Da seelische Erkrankung immer die Person als Ganzes
erfaßt, ist das Ziel analytischer Behandlung nicht primär die
Symptomheilung sondern die Veränderung der Persönlichkeit in
ihrer Erlebnis-, Denk- und Beziehungsfähigkeit und in ihrer Anerkennung
von Wirklichkeit. Die meist sehr komplexen Zusammenhänge psychischer
Krankheit erfordern mitunter lange therapeutische Prozesse.
Psychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapien Die Psychoanalyse hat in ihrer über 100-jährigen Geschichte
ein großes Wissen über psychische Störungen und deren
Behandlung zusammengetragen. Durch die ständige Weiterentwicklung
von Theorie und Anwendung der Psychoanalyse entstand ein breites Spektrum
psychotherapeutischer Verfahren, die von Kurzinterventionen bis hin zu
intensiven Langzeitverfahren reichen. Psychoanalytische Kurztherapie: 10 bis 12 Stunden Psychoanalytische Psychotherapie: 1 bis 2 Stunden pro Woche, Psychoanalyse: 3 bis 4 Stunden pro Woche, über mehrere Jahre Psychoanalytische Fokaltherapie: 1 bis 2 Stunden pro Monat, Psychoanalytische Paar- und Familientherapie von unterschiedlicher Dauer Psychoanalytische Kinder- und Jugendtherapie gegebenenfalls unter
Einbeziehung der Eltern, von unterschiedlicher Dauer
Die Psychoanalyse und ihre "Wirksamkeit" Die therapeutische Anwendung der Psychoanalyse ist von Anfang an von
Forschungsbemühungen begleitet worden. Katamnestische Studien weisen
die Wirkung von Psychoanalyse nach - von der Minderung von Symptomen bis
zur Wiedererlangung von Arbeits-, Genuss- und Beziehungsfähigkeit. |